Kreuzweg an Karfreitag

Rund 250 Teilnehmer vom Baby bis zum Senior waren beim Kreuzweg im Rahmen der Veranstaltungsreihe „mittendrin in Sielmingen“ dabei. Zum Auftakt vor der Martinskirche spielte der Posaunenchor „O Haupt voll Blut und Wunden“, und nach den ersten Gedankenanstößen setzte sich der Zug in Bewegung. Vorneweg wurde das drei Meter hohe Eichenkreuz von wechselnden Trägern geschultert. Auch bei den weiteren Stationen – Vereinshaus, Katholische Kirche und Aussegnungshalle des Oberen Friedhofs – wurden Gedanken zu Passionsbildern von Sieger Köder verlesen (nachzulesen unter www.ekg-sielmingen.de/news).

Sie zeigen Jesus zwischen Kaiphas – der „kurzen Prozess macht“ – und Pilatus, der keine Schuld an Jesus findet, sich dem Druck des Volkes feige beugt, das Todesurteil spricht und „seine Hände in Unschuld wäscht“. Der von der Last des Kreuzes zu Boden gestürzte Jesus ist von schaulustigen Gaffern und Sprücheklopfern umgeben. Eine „tragende Rolle“ spielt der Afrikaner Simon, der unfreiwillig in die Leidensgeschichte hineingezogen wird. Am Richtplatz Golgatha angekommen, können die Zuschauer „der nackten Wahrheit ins Gesicht sehen“, denn nicht einmal ein Rest von Würde ist Jesus geblieben, er muss selbst „sein letztes Hemd hergeben“. Es geht „Schlag auf Schlag“, ohne Erbarmen. Der seinen Peinigern vergebende Jesus erträgt die Trennung von Gott und trägt die Schuld der ganzen Welt. Auf sein „Es ist vollbracht“ zeigt sich die weltbewegende Dimension seines Opfertodes: Gott ist nicht mehr verborgen, der Tempel zum Allerheiligsten ist zerrissen und auch für Nichtjuden ist der Weg zu Gott frei!

Via Dolorosa – das Lied des Gemeinschaftschores nahm die Zuhörer mit auf den Leidensweg durch Jerusalem. Das zweite Lied brachte auf den Punkt, worum es an Karfreitag und Ostern geht, und warum Christen das Kreuz hoch halten: „Der Weg ist frei durch das Kreuz“. Zum Schluss konnte man eine Scherbe in ein Drahtkreuz legen als Zeichen dafür, dass wir Jesus die Bruchstücke unseres Lebens bringen dürfen. – Manches aus der Passionsgeschichte ist sprichwörtlich geworden. Trotzdem kennen immer weniger Zeitgenossen die zentrale Bedeutung von Karfreitag und Ostern. Der Kreuzweg war eine Möglichkeit, darauf hinzuweisen. Schön, dass er der Filder-Zeitung einen Bericht wert war.